Bio-Müll ist kein Abfall SPD informiert sich: Was geschieht mit der ?braunen Tonne??

Bio-Müll ist kein Abfall
SPD informiert sich: Was geschieht mit der ?braunen Tonne??

Bernd Schenkel Villingen-Schwenningen, 26.4.08

Bericht über einen Informationsbesuch bei der Firma BRS in Deißlingen

Nachdem importierte Energien ? vor allem Öl und Gas ? fast täglich teurer werden, gewinnt die Energie aus heimischen Quellen an Bedeutung. Dass der Biomüll aus Stadt und Kreis nicht auf irgendeiner Deponie landet ist allgemein bekannt, was aber genau damit geschieht, darüber wollten sich SPD-Mitglieder aus Fraktion und Ortsverein informieren lassen.
Der Leiter des Amts für Abfallwirtschaft beim Landratsamt, Dirk Hausmann, und BRS-Geschäftsführer Eberhard Ludwig nahmen sich für eine umfassende Information zwei Stunden Zeit. Das BRS-Werk, das den Biomüll verarbeitet, liegt in direkter Nachbarschaft der Kläranlage ?Oberer Neckar? in Deißlingen.

Foto: Vor dem Biomüll-Werk in Deißlingen (von links): Geschäftsführer Eberhard Ludwig, Leiter des Amts für Abfallwirtschaft Dirk Hausmann, Stadträtin Renate Gravenstein, Karin Proß, Stadtrat Bernd Schenkel, Werner Leuthner, Hans Richter

Schwerpunkt der Firma BRS war in den 90er Jahren das Baustoff -Recycling. Als sich Ende der 90er Jahre die Trennung des Bioabfalls vom Hausmüll abzeichnete, bewarb sich die BRS als Abnehmer und Verwerter. Eine erste Planung an der Obereschacher Straße scheiterte am Widerstand der Bewohner des Wohngebiets Haslach/Wöschhalde. Die Furcht vor einer ständigen Geruchsbelästigung war zu groß. Noch heute ist Geschäftsführer Ludwig dem damaligen Baubürgermeister der Doppelstadt, Theo Kühn, für dessen Anregung dankbar, neben das Klärwerk in Deißlingen zu bauen. Im Jahre 2000 wurde das Werk genehmigt, 2002 begannen die Bauarbeiten, im Sommer 2003 ging das Werk in Betrieb und im Herbst 2003 zeichnete sich ab: Das System funktioniert nicht. Eberhard Ludwig spricht heute offen über diesen Fehlschlag.
Die Firma, die das System geliefert hatte, ging in Konkurs, BRS investierte nochmals in eine neue Technologie und im August 2005 ging das erneuerte Werk in Betrieb. ?Das System arbeitet relativ stabil?, ist die zuversichtliche Einschätzung nach fast drei Jahren.

Auch Dirk Hausmann ist mit dem Ergebnis zufrieden. Für ihn hat die Zusammenarbeit der Kreise Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen in Sachen Biomüll Vorbildcharakter. Die Anlage ist für ihn an einem ? optimalen Standort?: dort, wo die drei Kreise aneinander grenzen. Auch die Kosten seien moderat. Für eine Tonne Biomüll zahle der Kreis 70 bis 80 Euro. ?Das ist relativ günstig. In vielen Kreisen des Landes müssen 100 Euro und mehr für die Tonne bezahlt werden?, erläuterte Amtsleiter Hausmann.
Was geschieht nun mit dem Biomüll?
Foto: Mit einem Greifarm wird der Biomüll auf ein Förderband geladen
Im Laufe des Nachmittags treffen die Müllfahrzeuge bei BRS ein. Eines der großen und dicht schließenden Tore öffnet sich kurz. Der Biomüll wird in ein großes Becken geschüttet. Gleichzeitig sorgt ein Gebläse dafür, dass möglicht wenige Gerüche nach außen dringen. Die Biomasse wird zweimal zerkleinert, bei 70° C hygienisiert und kommt dann für drei Wochen in einen Gärbehälter. Das hier entstehende Gas wird in zwei riesigen Motoren zur Stromerzeugung verbrannt. Die Ausbeute dieses Blockheizkraftwerks sind 6 Millionen Kilowatt pro Jahr und dazu die doppelte Kilowattzahl an Wärme. Die Wärme wird für den Betrieb selbst genutzt ? zur Hygienisierung der Biomasse zum Beispiel. Daneben wird Klärschlamm aus dem benachbarten Klärwerk getrocknet, der dann im Zementwerk in Dotternhausen als Heizmaterial genutzt werden kann. Nach dem Gärprozess wird die Biomasse in einer Zentrifuge geteilt: Der festere Teil wird als Kompost an die Landwirtschaft abgegeben, der flüssige Teil wird zur Reinigung ins Klärwerk geleitet.
Bild: Mit Magneten werden Metallteile aus dem Biomüll aussortiert. – Mit Plastiktüten geht das leider nicht. Sie werden mit dem Biomüll zerkleinert

?Wie steht es mit den Plastiktüten im Biomüll?? Stadträtin Renate Gravenstein sprach hier einen Problembereich an: Störstoffe. Bis zu 8% hätten die Störstoffe schon betragen. Neben Plastik seien Büchsen und andere Metallteile vorschriftswidrig in die ?braune Tonne? gewandert. Nachdem das Landratsamt Kontrollen durchgeführt und einzelne Haushalte ermahnt habe, seien die Störstoffe auf 3-4% zurückgegangen.
Der dringende Appell an die Haushalte gilt weiterhin: Bitte keine Plastiktüten und sonstige Fremdstoffe in die Biotonne! Die SPD-Kommunalpolitiker konnten einen Berg Kompost ?besichtigen?, der so mit Plastikfetzen durchsetzt war, dass er vermutlich unverkäuflich ist.

Bild: Mit riesigen Gasmotoren wird Strom und Wärme erzeugt

Für Stadtrat Bernd Schenkel gehörte dieser Informationsnachmittag bei der Firma BRS zum Thema ?Regenerative Energien aus der Region?, das die SPD seit vielen Jahren verfolgt.

Bild: Dieser Haufen Kompost kann vermutlich nicht verkauft werden, weil zu viel Plastikfetzen enthalten sind.

Bild unten: Ein Großteil des Komposts wird von Landwirten auf den Feldern ausgebracht.

Mehr zum Thema ?Biogas? bietet die öffentliche Informationsveranstaltung ?Biogas aus unserer Region ? eine Energieform mit Zukunft?? am Mittwoch, 30. April 2008 in der ?Energiequelle? der Stadtwerke, Pforzheimer Straße 1. Hier werden der Geschäftsführer der SVS, Ulrich Köngeter, und der Geschäftsführer der Biogasanlage ?Powerfarm?, Dr. Rainer Gottschalk, über die Zukunft dieser Energieform sprechen und die Fragen aus der Zuhörerschaft beantworten.

Diese und weitere Information: http://villingen-schwenningen.bawue.spd.de